Der 1. FC Nürnberg und seine rekordverdächtige Geschichte

1. FC Nürnberg Flagge

Ein gewisses Auf und Ab gehört zum Fußball dazu, und die Helden von heute können schon bald die Verlierer von morgen sein – und umgekehrt.

Die Fans des 1. FC Nürnberg können das aus eigener Erfahrung bestätigen. Die Geschichte des bayerischen Vereins ist so voller süßer Höhepunkte und bitterer Niederlagen wie bei keinem anderen deutschen Fußballclub. Aus dem einstigen Rekordmeister ist im Laufe seiner 122-jährigen Geschichte der Rekordabsteiger und auch Rekordaufsteiger der Bundesliga geworden.

Der am 1. Mai 1900 in der Gaststätte “Zur Burenhütte” gegründete “Glubb” siegte gleich in seinem allerersten Spiel gegen die Schuckertschen Elektrizitätswerke mit 1 : 0 – und das war noch ein bescheidenes Ergebnis für den jungen Verein. Sein erstes Lokalderby gewann Nürnberg 1902. Die Kicker fegten die Fürther Kontrahenten mit einem sensationellen 15 : 0 vom Platz. Den ersten Bayerntitel holte der “Glubb” 1907, und 1916, mitten im Krieg wurde der 1. FC Nürnberg süddeutscher Meister.

1. FC Nürnberg – das erste mal Deutscher Meister

Vier Jahre später legten die Kicker aus der Lebkuchenstadt noch eins obendrauf und holten zum süddeutschen Meistertitel zugleich noch in Frankfurt die deutsche Meisterschaft gegen die SpVgg Fürth. Rund 30.000 Fans feierten die Kicker nach ihrer Rückkehr mit der Meisterschale.

 

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Im nächsten Jahr, als die Nürnberger ihren Titel mit einem 5 : 0 Sieg im Finalkampf gegen Berlin verteidigten, wuchs die Zahl der jubelnden Fans, die die Kicker am Hauptbahnhof in Nürnberg abholten, bereits auf 50.000 an. Der Club schien nichts falsch machen zu können. 1924, 1925 und 1927 holten die Nürnberger erneut den Titel und machten damit ihre Heimat zur Hauptstadt des deutschen Fußballs.

Wie überlegen die Kicker der gesamten Region zu dem Zeitpunkt waren, zeigte sich an der Nationalmannschaft. Die bestand in den 1920er Jahren für geraume Zeit nur aus Spielern der heimischen Clubs Nürnberg und Fürth – eine Dominanz, die nicht einmal dem heutigen Rekordmeister Bayern München gelungen ist. Doch die Zeiten wurden schlechter, auch für den 1. FC Nürnberg. 1936 wurde der Club erneut deutscher Meister, aber erst nach dem Ende des 2. Weltkriegs ging es anschließend wirklich wieder bergauf mit dem deutschen Fußball und dem 1. FC Nürnberg, der 1948 einen weiteren Titel holte und damit zum deutschen Rekordmeister wurde.

Max Morlorck wird zum Nürnberger Fußballidol

Der Held der Stunde war Max Morlock. Insgesamt traf er 30-Mal für Nürnberg voll ins Netz, und als einer der Sieger beim “Wunder von Bern”, als Außenseiter Deutschland 1954 seinen ersten Weltmeistertitel holte, wurde Morlock endgültig zum Nürnberger Fußballidol. Bis zu seinem Ruhestand 1961 blieb er dem Club treu. Heute ist das Nürnberger Stadion nach dem Kicker, der sich mit dem achten Meistertitel für den Club und der Wahl zum Fußballer des Jahres vom aktiven Sport verabschiedete, benannt.

 

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Im Folgejahr trat der “Glubb” zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte beim Europapokal der Landesmeister an. Im Viertelfinale mussten sich die Franken zwar nach einer Niederlage gegen Benfica Lissabon verabschieden, aber das mit 3 : 1 gewonnene Hinspiel gegen die Portugiesen ist als ein Höhepunkt in die Vereinsgeschichte eingegangen.
Ein weiteres Jubelereignis war der 9. Meistertitel, den die noch kurz zuvor als abstiegsgefährdet eingestuften Nürnberger 1968 unter der Führung des neuen Trainers Max Merkel holten.

Ein Meister steigt ab

Abtieg vom 1. FC NürnbergVon der Erinnerung daran und an Morlocks Zeiten sollten die Fans nur allzu bald zehren müssen. Als erster Club in der Geschichte der Bundesliga stürzte nämlich im Folgejahr ein amtierender Meister in die Zweitklassigkeit ab. Bitterer war keine Niederlage.

Zehn Jahre brauchte der Verein für den Wiederaufstieg ins Fußball-Oberhaus, doch der hielt wieder nur eine Saison lang vor. Und selbst als Nürnberg sich für mehrere Jahre in Folge halten konnte, waren die Kicker weit davon entfernt, wieder zu den Favoriten bei den Sportwetten zu zählen. Mehr als ein Mittelfeldplatz war selten drin, und der Club war in der 1. Bundesliga häufiger abstiegsgefährdet als in einer sicheren Position.

1996/97 wird zum Tiefpunkt vom 1. FC Nürnberg

Der Tiefpunkt in der Geschichte des 1. FC Nürnberg kam 1996/1997, als die Spieler sich gar in die dritte Liga verabschieden mussten.

Aber eines ist ihnen und den Fans stets geblieben: Der Wille, sich wieder nach oben zu arbeiten. Ein Jahr mussten die Nürnberger in der Drittklassigkeit verweilen und ein weiteres Jahr in der 2. Bundesliga kicken, ehe sie 1998/1999 für eine Saison wieder in der 1. Bundesliga auflaufen durften.

Dass der Club dennoch nicht zu unterschätzen war und ist, zeigte sich selbst in der Ära der Fahrstuhl-Ergebnisse immer wieder. 1988 gelang den Kickern überraschend die Qualifikation für den UEFA-Cup und trotz Starstürmer Rudi Völler bei den Gegnern, gelang dem 1. FC Nürnberg ein unerwarteter Auftaktsieg über den AS Rom. Das Rückspiel verlor Nürnberg zwar, aber für den Club bedeutet das dennoch einen gewaltigen Auftrieb.

Das Frankenstadion vom 1. FC Nürnberg

Fast 20 Jahre mussten die Nürnberger anschließend auf ihren nächsten großen Erfolg warten, aber dafür war der Triumph umso größer, als die Franken in der Saison 2006/2007 mit dem DFB-Pokal ihren ersten Titel seit 39 Jahren holten.

1. FC Nürnberg ist Rekord Ab- und Aufsteiger

Den Platz als Rekordabsteiger der 1. Bundesliga teilt sich der 1. FC Nürnberg derzeit mit jeweils acht Abstiegen mit Arminia Bielefeld. Der Titel als Rekordaufsteiger gehört dem “Glubb” allerdings allein. Neun Mal haben sie sich bereits zurück in die Erstklassigkeit gekämpft, und sie hoffen darauf, es bald zum 10. Mal zu schaffen.

Zwar hatte Nürnberg keinen allzu vielversprechenden Auftakt in die neue Saison der 2. Bundesliga, aber wenn es einen deutschen Club gibt, der weiß, wie schnell sich das Blatt auf dem Spielfeld wenden kann, dann ist es der langjährige Rekordmeister.